Alleine Einkaufen ist so schwierig. Vorallem wenn alles in einer Schrift geschrieben steht, die ich nicht lesen kann. Ich hoffe einfach, dass das, was ich kaufe, schlussendlich das Richtige ist. Was auch unterschätzt wird, ist Einkaufszettel schreiben.
Mittlerweile habe ich auch kein Problem mehr, alleine durch die Stadt zu laufen. War am Anfang nicht nur ein einfaches Ding. Momentan sind Ferien in Israel, wegen Rosch Haschana und Sukkot und all das. Sukkot, das heisst, dass alle Israelis irgendwo draussen Laubhütten bauen, wenns sein muss auf dem Balkon. Sie schlafen, essen, leben für sieben Tage dann darin. Es soll an den Auszug aus Ägypten erinnern, soweit ich weiss. Die Art, wie das Fest gefeiert wird, erinnert mich ein wenig an Weihnachten Zuhause. Sowie plötzlich überall Weihnachtsbäume stehen, wird hier alles was zu einer Hütte verbaut werden kann, umgebaut. Auch in jedem Kaffe oder an jedem Stand befinden sich die Aussensitzplätze plötzlich in einer Laubhütte. Es ist überall farbig dekoriert, die Leute sind auf der Strasse draussen, es gibt viele Musiker. Ob es auch so typische Sukkot-lieder gibt, sowie Weihnachtslieder? Und ob es auch Menschen gibt, die viel zu früh anfangen, Sukkot-Lieder zu hören?
Ich laufe also heute über die Jaffa-Street, eine Mischung aus der Basler Stainen-Vorstadt und Freien Strasse. Ich fühle mich nicht mehr ganz als Aussenseiterin, fühle mich ein wenig Teil des farbigen Tohuwabohus. Und kennt ihr dieses spezielle Gefühl, wenn die Welt euer Laufsteg ist? So hab ich mich heute gefühlt. Quietschentengelbe Hosen, Kopfhörer so halb auf den Ohren, stylischer Rucksack auf dem Rücken. Ich laufe im Takt meiner Musik, lächle vor mich hin, wippe meinen Kopf mit dem Rhythmus und bewundere die Welt.
Ich überspringe ein Lied. Und dann ertönt plötzlich Bligg mit „Legändä und Heldä“. Es fühlt sich an wie ein angenehmer elektrischer Schlag. Zwei Arten von Zuhause kombiniert. Ich grinse noch mehr. Ich fühle mich unbesiegbar.

INVICTUS

Out of the night that covers me,
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.
[…]
It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate,
I am the captain of my soul.

– by william ernest henley

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