Ich erinnere mich, wie ich mich in der allerersten Nacht sorgte, meine Schuhe draussen stehen zu lassen. Es könnte ja regnen. Diese Bedenken habe ich aber mittlerweile gänzlich vergessen. Hier regnet es nicht im Sommer. Anfangs habe ich auch noch hin und wieder auf die Wetter-App geschaut. Was es überhaupt nicht bringt. Entweder 35 Grad oder 32. Jetzt ist es schon wieder etwas kühler geworden, so etwa um die 27 Grad tagsüber, während es Abends und morgens schon sehr frisch wird. Aber Regen, den hab ich total ausgeschlossen.
Von Zuhause bekomme ich immer wieder Bilder vom Regen. Von der grünen Welt, die sich nach und nach rot, orange, gelb, braun verfärbt. Ich vermisse den geheimnisvollen Nebel schon, muss ich sagen. Und auch nach Regen sehne ich mich immer wieder mal.
Und dann kam das Wunder. Es geschah am Samstag um 15:00, als wir mit den Kindern, die auf ihre Schwestern oder Mütter warteten, im Klassenzimmer waren und UNO, Puzzle und Memory spielten. Es regnete.
Einige wissen, wie sehr ich mich an Regen erfreuen kann. Nicht selten renne ich raus, fühle mich lebendig, tanze. Andere können sich das vielleicht gut vorstellen. Und jetzt malt euch bitte eine Horde von Kinder aus, die doppelt so fest durchdrehen. Sie schrien, und wir konnten sie nicht zurückhalten, sie rannten allesamt raus. Ohne Witz, keiner war mehr im Klassenzimmer. Wir hüpften in Pfützen, tanzten im Regen, streckten die Zunge gen Himmel, um Regentropfen aufzufangen. Pure Lebensfreude. Aber nicht nur die Kinder. Auch die Lehrer und Sekretärinnen kamen aus dem Schulhaus und beobachteten die Freude der Kinder, genossen die erfrischende Luft.
So beeindruckend, was Regen hier bedeutet. Ende der grossen, drückenden Hitze. Leben. Wasser.
Vielleicht wird mir der Regen irgendwann auch zu viel. Im Winter soll es die ganze Zeit nur regnen. Aber für jetzt behalte ich den gefallenen Regen tief in meinem Herzen und erfreue mich daran. Daran und an dem herzigen Bild, das Bisan, Spitzname Bisasam, von mir gemalt hat nach dem Regenwunder.
